Was sind eigentlich Quartiersmanagement, Quartiersrat oder Aktionsfondsjury

Was sind eigentlich Quartiersmanagement, Quartiersrat oder Aktionsfondsjury?

Veränderungen beginnen im eigenen Umfeld

 

Sie haben sicherlich unsere bunten Plakate und Bilder schon erblickt. Bis zum 12.Mai können Sie sich für eine QR / AFJ (ausgeschrieben) Kandidatur anmelden. Anfang Juni geht’s dann an die Wahlurnen - hier erfahren Sie worum es da eigentlich geht!

Nicht allen Kiezen geht es gleich gut. Das ist offensichtlich. Die Unterschiede dafür sind so vielfältig, wie die Kieze selbst. Entsprechend angepasst muss das lokale Angebot sein, um in Problemlagen etwas zu verbessern. Einfach „nur“ in bauliche Substanz oder Infrastruktur zu investieren genügt allein nicht.

Um sich der Probleme anzunehmen ist daher die Zusammenarbeit vieler Beteiligter, wie Institutionen, der Wirtschaft, Vereine, der Verwaltung und vor allem der Nachbarschaft notwendig. Das Quartiersmanagement führt all diese Akteure zusammen.

Das Berliner Quartiersmanagement (QM) nahm 1999 seinen Anfang und kümmerte sich um "benachteiligte Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf", häufig kurz nur „Soziale Stadt“ genannt. Seit 2020 läuft das Programm unter dem Titel „Sozialer Zusammenhalt und trägt den Zusatz Zusammenleben im Quartier“. Das Quartiersmanagement soll negative Folgen von gesellschaftlicher Benachteiligung abmildern oder kompensieren.

Im Vordergrund steht dabei die Motivation, Vernetzung und Befähigung der Nachbarschaft, sich in diesen Prozess einzubringen und diesen aktiv mitzugestalten. Im weitesten Sinne geht es um Hilfe zur Selbsthilfe, neudeutsch gerne Empowerment genannt. Gerade weil die Problemlagen so unterschiedliche sind, gibt es kein Universalrezept. Diese gilt es erst einmal zu erkennen, um Situationsgerecht arbeiten zu können. Im sogenannten integrierten Handlungs- und Entwicklungskonzept (IHEK) für den Stadtteil werden die Kernprobleme für einen definierten Zeitraum beschrieben. Dieses bildet in der Folge die Basis für die Beteiligung der Nachbarschaft und die anzustoßenden Projekte.

Die Nachbarschaft wird im Rahmen des Quartiersmanagements darin bestärkt, selbst Verantwortung zu übernehmen, ein Selbstbewusstsein zu entwickeln, um nach der Zeit des Quartiersmanagements unabhängig davon selbsttragende Strukturen zu schaffen und zu pflegen. Das QM ist immer nur auf eine begrenzte Zeit geplant. Wer selbst gestaltend in dem eigenen Umfeld aktiv ist, wird dies ganz anders wertschätzen, als eine Person, die sich vollständig in die private Isolation zurückgezogen hat. So banal es manchmal erscheinen mag, so wichtig ist ein positiver Bezug zum eigenen Quartier. Nur wenn sich dieser entwickeln kann, gelingt es auch, Veränderungen herbeizuführen. Wer einmal festgestellt hat, dass es sich lohnt, Zeit und Mühe für das eigene Umfeld aufzubringen, wird dies auch später ohne die Hilfe eines Quartiersmanagements tun können.

Geld und Gremien

Viele Menschen denken, „ich kann ja eh nichts ändern“. Nachbarschaftliche Aktivitäten finden aber im kleinsten Kreis statt. Hier geht es nicht um große Politik, die vielen fern und viel zu abstrakt vorkommt. In den Gremien des Quartiersmanagements lässt sich aber eine Menge bewegen. Kleine Ideen können schon Großes bewirken. Der Erfolg, in der eigenen Nachbarschaft Veränderungen herbeiführen zu können, lässt eine ganz andere Verbundenheit mit dem Kiez wachsen.

Ohne Geld geht auch hier vieles nicht. Über das Quartiersmanagement werden unterschiedliche finanzielle Fördertöpfe zur Verfügung gestellt, mit denen kurz- und langfristige Projekte angestoßen und durchgeführt werden. Über die Geldvergabe der Quartiersfonds entscheiden Quartiersräte und Aktionsfondsjury. Weil niemand besser über das eigene Quartier informiert ist, als die Bewohner*innen die dort leben, sind diese natürlich im Quartiersrat und der Aktionsfondsjury vertreten. Sie werden alle zwei Jahre neu gewählt.

Genau das ist in diesem Jahr der Fall. Nicht nur in der großen Politik finden Wahlen statt. Bundestag, Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen stehen zu Wahl. Es wird nicht wenige geben, die keine Lust auf die sog. große Politik haben.

Bei den Quartierswahlen in der Spandauer Neustadt sieht es aber anders aus. Es geht um den eigenen Kiez, sei es als Kandidat*in für den Quartiersrat oder die Aktionsfondsjury zur Wahl anzutreten oder ganz einfache eine Person in dieses Gremium zu wählen. Es geht darum, direkten Einfluss auf den eigenen Kiez zu nehmen.

Quartiersrat

In diesem Gremium wird über größere Investitionen mit umfangreicheren und länger andauernden Projekten entschieden. In der Spandauer Neustadt stehen pro Jahr rund 320.000 Euro zu Verfügung. Im Regelfall treffen sich die Mitglieder sechsmal im Jahr. In Coronazeiten geschieht dies meist online. Die Mitglieder setzen sich nicht nur aus den Anwohner*innen der Nachbarschaft zusammen. Vielmehr sind hier auch Vertreter*innen von lokalen Einrichtungen, Institutionen und Vereinen aus der direkten Nachbarschaft vertreten. Im Idealfall sollte sich im Quartiersrat die bunte soziale und kulturelle Mischung der Nachbarschaft widerspiegeln. Gemeinsam entwickeln alle Beteiligten Ideen und Konzepte und entscheiden gemeinsam über die Vergabe der Fördermittel  im Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ auf der Basis des IHEKs.

Aktionsfondsjury

Anders, als beim Quartiersrat sind hier ausschließlich Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers vertreten. Mit „kleine Investitionen mit großer Wirkung“ könnte man die Entscheidungen der Aktionsfondsjury gut zusammenfassen. Über den Aktionsfonds können Bewohner*innen und soziale Einrichtungen ihre kurzfristigen Ideen für den Stadtteil umsetzen. Dazu zählen zum Beispiel Feste, Anschaffungen, Aktivitäten und vieles mehr. Der bürokratische Aufwand dafür ist überschaubar. Dieser stellt also keine Hürde dar. Jährlich stehen 10.000 Euro dafür zur Verfügung. Folgende Voraussetzungen müssen die eingebrachten Vorschläge erfüllen: Förderung der Aktivierung der Bewohner*innen, Förderung von  Eigenverantwortlichkeit und Selbsthilfe, Stärkung nachbarschaftlicher Kontakte, Belebung der Stadtteilkultur oder Nutzen für die Gemeinschaft/Nachbarschaft. Eine Einzelaktion kann mit bis zu 1.500 Euro gefördert werden.

 

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