Hilfe bei Problemen im Lockdown: Erziehungs- und Familienberatungsstelle

Hilfe bei Problemen im Lockdown: Erziehungs- und Familienberatungsstelle

Die Erziehungs- und Familienberatungsstelle berät Eltern, Großeltern und Jugendliche auch im Lockdown – vertraulich und kostenfrei!

 

Im Alltag ist jetzt vieles anders – Ihre Kinder sind zu Hause und das Zusammenleben wird auf die Probe gestellt. Die Diakonie des Johannesstift (Jugendhilfe) berät Sie gerne bei Fragen zur Erziehung, bei Paarkonflikten, bei Problemen in der Familie, bei Trennung und Scheidung oder wenn Sie nicht mehr weiter wissen.

Die Beratung erfolgt in vielen Sprachen, neben Deutsch auch in Arabisch, Kurdisch, Persisch, Türkisch, Englisch und Französisch - ist aber auch für Gehörlose möglich.

Rufen Sie einfach an oder schreiben Sie Ihre Anliegen! Es kostet nichts und alle Fragen werden vertraulich behandelt!

Für Jugendliche:
Wir helfen Dir bei - Konflikten mit Eltern - Zoff mit Freunden - Ärger in der Schule - wenn Ihr gemobbt werdet - Schulunlust - Schulwechsel - selbstverletzendes Verhalten - Ängsten - Trauer - Problemen - Liebeskummer - Fragen zu Sexualität

Für Eltern:
Wir beraten Sie bei Fragen zur Erziehung, bei Paarkonflikten, bei Problemen im Zusammenleben in der Familie, bei Trennung und Scheidung oder wenn Sie nicht mehr weiter wissen

 

Telefonische Anmeldung unter 030 336 14 29

Onlineberatung:www.online-probleme-loesen.de

Mailformular

 

Flyer der psychologischen Beratungsstelle als PDF

 

Interview

 

Die Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Johannesstift Diakonie ist auch im Lockdown für Sie da!

Berlin. Karin Löffelmann ist eine von zehn Berater*innen der Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Johannesstift Diakonie in Spandau. Aufgrund der Corona-Krise arbeitet die Beratungsstelle zusätzlich zu persönlichen Beratungen auch telefonisch und über Video- oder Online-Beratung.

Frau Löffelmann berichtet, dass viele Familien im zweiten Lockdown organisierter und gefasster sind, dennoch steigt die psychische Belastung in den Familien, da wesentliche Grundbedürfnisse, wie z.B. Sicherheit und Zugehörigkeit, derzeit eingeschränkt sind oder gar nicht erfüllt werden können. Darüber hinaus ist die mehrfache Belastung für Eltern nur schwer zu bewältigen. So müssen Sie zusätzlich zu ihrer Elternrolle noch die Rollen der Lehrer, Freunde und Vertrauten ersetzen und das selbst mit schwindenden Kräften.  Es entsteht ein Mikrokosmos Familie mit keinen oder wenigen Kontakten nach draußen und mit einem „Brennglas-Effekt“, der Probleme, die vorher schon da waren, oft noch verstärken.

In den Beratungen berichten Eltern, Kinder und Jugendliche von zunehmenden Konflikten zu Hause, von auftretenden Ängsten, Niedergeschlagenheit und Erschöpfung. Das gesamte Familiensystem ist in einem hohen Stresszustand, nicht mehr nur einzelne Familienmitglieder.

„Es muss allen bewusst sein, dass wir in dieser Ausnahmesituation anders reagieren als sonst und dass dieses Andersreagieren eine normale Reaktion auf eine außergewöhnliche Situation ist.“

Deshalb, so Frau Löffelmann weiter, dürfen und sollen Eltern gerade jetzt nachsichtiger sein als sonst! Sowohl mit sich selbst als auch den anderen Familienmitgliedern gegenüber. Die Beziehungen untereinander und gemeinsame freudvolle Momente sollten über die Pflichterfüllung gestellt werden. Es ist für alle eine große Herausforderung, die nur gemeinsam gestemmt werden kann.

Frau Löffelmann gibt aber auch ganz praktische Tipps, die Eltern konkret zu Hause umsetzen können. Sie sagt, feste Rituale und ein gut strukturierter Tagesablauf, der jeden Tag - bis auf das Wochenende - gleich abläuft, sind die Basis und vermitteln Sicherheit und Verlässlichkeit.

Besonders wichtig sei es auch, dass sich Eltern auf das Positive in der Familie und der Kinder und Jugendlichen konzentrieren. Frau Löffelmann empfiehlt dies zum Beispiel abends als Ritual gemeinsam mit den Fragen „Was war heute gut? Was hat mir heute gefallen?“ umzusetzen. Und es zählt jede Kleinigkeit, wie z.B. der besonders gute Kakao am Morgen oder zehn Minuten in Ruhe mit der Freundin zu telefonieren - jede kleine „Sternstunde“ des Tages und jedes Familienmitgliedes zählt. Wir müssen unserem Gehirn helfen, ganz bewusst das Gute nicht aus den Augen zu verlieren, so Frau Löffelmann.

Durch tägliche Bewegung wird ebenfalls Stress abgebaut und man bleibt fit. Das können Familien auch drinnen einfach umsetzen, z.B. mit Tanzen zur Lieblingsmusik, durch Yoga über Youtube im Wohnzimmer bzw. draußen auf dem Spielplatz oder bei einem Waldspaziergang. Natur hat ebenfalls eine positive Wirkung auf unser Stresssystem und auf unsere Laune.

Frau Löffelmann betont, Eltern sollten sich unbedingt auch Zeiten für sich alleine schaffen. Schon die fünf Minuten alleine beim Kaffee ohne Ablenkung oder 15 Minuten in der Badewanne, einmal um den Block zu gehen, bringen Erleichterung. Alles, was gut tut, sollte im Tagesablauf ebenfalls fest eingeplant und umgesetzt werden, um die eigene Batterie wieder ein klein wenig aufzuladen.

Außerdem gibt sie Tipps für schnelle Entspannungsmöglichkeiten, wie z.B. tiefe bewusste Bauchatmung (wobei länger aus- als eingeatmet werden soll), zu summen, singen oder seufzen und kurz verschiedene Muskeln anzuspannen und wieder loszulassen oder ganz bewusst an was sehr Schönes zu denken (Tagträume und Luftschlösser bauen sind auch erwünscht). Ebenso können angeleitete Phantasiereisen hilfreich sein.

Und sollte sich trotz aller Vorkehrungen der Streit zuspitzen, sollten der Ärger, die Sorgen und Wünsche unbedingt früh genug ohne Vorwürfe angesprochen werden. Eine regelmäßige Familienkonferenz mit allen Familienmitgliedern könnte hilfreich sein, damit Konflikte nicht eskalieren. Dabei ist es wichtig, auch kleinere Kinder zu beteiligen und sich gegenseitig aufmerksam zu zuhören, erklärt Frau Löffelmann.

Falls Familien aus der Stress- und Streitspirale nicht mehr alleine herauskommen, falls das Gefühl vorherrscht, dass einem alles über den Kopf wächst, oder wenn es Fragen zu Familie und Erziehung gibt, dann können sich Eltern, Kinder, Jugendliche, Großeltern an die Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Johannesstift Diakonie wenden. Die Beratungen sind kostenfrei, werden vertraulich behandelt und können auch über Telefon oder Videokonferenz durchgeführt werden (Anmeldung: 030-336 14 29).