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"Alle guten Dinge sind Drei" - Die Lynar-Grundschule kommt endlich zur Ruhe

"Alle guten Dinge sind Drei" - Die Lynar-Grundschule kommt endlich zur Ruhe

Es ist der 24. September 2014 vormittags und viele Menschen strömen zur Lynar-Grundschule in die Lutherstraße 19/20. Dort findet heute die feierliche Eröffnung des neu angelegten Schulhofes statt. Es ist das letzte Kapitel der umfassenden Grundsanierung  der Schule als pädagogischen Herzstückes im Quartier Spandauer Neustadt.
„Alle guten Dinge sind drei,“ sagt Christine Freund, die Leiterin der Lynar-Grundschule in ihrer Festrede: „Erst wurde der Erweiterungsbau neu errichtet, dann das Hauptgebäude grundsaniert und heute die Schulhoflandschaft feierlich eröffnet.“  Bei Leitung, Kollegium und Schülerschaft herrschen darum große Freude und Erleichterung: alle zielgerichteten Vorarbeiten und drei Jahre lang Schulbetrieb auf der Baustelle gehören nun endlich der Vergangenheit an.

Der Schulhof

Die Kinder sind begeistert von ihrem neuen Schulhof, denn all die vielen, frischen Ideen zur Hofgestaltung kommen ausschließlich von ihnen. Unter fachlicher Anleitung aus dem Grünflächenamt konnten sie ihre Ideen formulieren und sind nun glücklich, dass ihre Ideen zwei Jahre später Gestalt angenommen haben. „Es ist zu 100 % ihr Hof,“ betont Christine Freund mit angemessenem Stolz. Und Gabriele Fliegel von der Vereinigung Wirtschaftshof Spandau e.V. erkennt besonders die kreative Vielfalt an, „die stets den Fokus darauf hatte, alle Akteure bei der Umsetzung einzubeziehen: Schüler, Lehrer, Eltern.“   
Was es da auf dem Hof so alles zu entdecken gibt! Da macht alleine schon das Hinschauen Freude. Meral aus der vierten Klasse (Name geändert) tobt gerade über die Hängebrücke der ausgedehnten Kletterlandschaft. Sie mag neben dem Klettergerüst besonders das quietschgelbe Rasensofa, in dem ganze Kindergruppen Platz nehmen können. Aber auch für feste Tische und Bänke auf dem Schulhof ist gesorgt. Hier wollen die Kinder gerne das gesunde Frühstück essen, das engagierte Eltern immer mittwochs zubereiten.
„Toll sind auch die vielen Sportmöglichkeiten auf dem Platz,“ findet die Lehrerin Claudia Schwope und verweist auf den Fußballplatz, den Basketballkorb, eine Tischtennisplatte und die Weitsprunganlage. Besonders hohe Bedeutung haben natürlich die Fußballtore. „Die Kinder spielen ja immerzu Fußball! Ständig. Jetzt gibt es Tore, die nicht mehr umfallen können.“ Und der vorwitzige Mert wirft ein, dass Fußball spielen heute viel mehr Spaß mache: „Man muß nicht immerzu in die Büsche rennen und den Ball ´raus  holen oder gegen Wände spielen.“

Das Quartier Neustadt

Soeben kommt Ulrike Herrmann vom Quartiersmanagement Spandauer Neustadt auf den Schulhof spaziert. Sie strahlt, denn der Abschluß der Umbauten ist auch für das Quartiersmamagement ein Feiertag. Insgesamt 3,5 Millionen Euro aus dem Programm „Soziale Stadt“ konnten dank des QM in die Sanierung der Schule fließen und nun ist Ulrike Herrmnann glücklich über das durchweg gelungene Ergebnis. „Wir haben daran geglaubt, dass das Geld in der Lynar-Grundschule gut angelegt ist und sind damit den richtigen Weg gegangen. Es geht heute daher auch ein besonderer Dank an die Quartiersräte, für ihr Vertrauen in diese gute Entwicklung.“ 

Änderungsbereitschaft

Als das Quartiersmanagement vor fünf Jahren seine Arbeit im sozialen Brennpunkt Spandauer Neustadt aufnahm, war von den gravierenden Veränderungen in der hiesigen Bildungslandschaft wenig zu ahnen. Die Lynar-Grundschule sah jämmerlich aus: ihre Fassade von tristem Rot-Grau, der betonierte Hof mit einigen Büschen konnte der kindlichen Fantasie wenig Anregung bieten und auch die Klassenräume entsprachen nicht dem heutigen Standard.  
Ein Wunder war dieser desolate Zustand indessen nicht, denn die Schule ist 48 Jahre alt!  Seitdem hatte sie einige Generationswechsel, tiefgreifende Erneuerungen in den pädagogischen Konzepten und eine gravierende Umstellung von Wohnumfeld und Nachbarschaft zu ver-arbeiten.
Rahmen und Grundsubstanz än-derten sich indessen kaum: das Hauptgebäude war sehr bald zu klein und die Verbindungen in die Dezentralen - zum Hort Lasiuszeile und in die Außenstelle Eiswerderstraße 7 - lagen weit entfernt. So etwas will keine Leitung zusätzlich meistern müssen.
Mit der üppigen Unterstützung aus dem Bundesprogramm „Soziale Stadt“ und weiteren 3,35 Millionen Euro aus dem Fördertopf  IZBB wurden dann die kühnsten Träume wahr!

Erweiterungsbau

Als erstes wurde ein neues Haus gebaut: der Erweiterungsbau. Dieser liegt nun in der Lutherstraße, gleich schräg gegenüber vom Hauptgebäude und wurde im März 2011 eingeweiht. Inzwischen haben sich die Anwohner an den modernen, kubischen Erweiterungsbau aus dreistöckigem Stahl, Beton und Glas gewöhnt, der nun die ehemalige Baulücke füllt.  
In den sehr gut ausgestatteten, warm gestalteten Räumen des neuen Hauses liegen heute die Klassenräume der Kleinen. Sie werden dort jahrgangsübergreifend unterrichtet, die JÜLs. Auch Hort und Ganztags-Betreuung, eine Mensa und eine neu ausgestattete Bibliothek befinden sich in diesem Haus.
Einzige Crux: zwischen dem altem und neuem Schulhaus verläuft eine öffentliche Straße. Darum wurde 2011 die Lutherstraße verkehrsberuhigt und derart umgestaltet, dass die Kinder beim Übergang zwischen beiden Gebäuden nicht gefährdet sind.

Ein Ort zum Wohlfühlen

Es folgte 2012 die nächste gravierende Etappe in der Umgestaltung: nun ging es dem Haupthaus ans Eingemachte. Von Außen sehen Sie zwei Jahre später eine minimalistische, stimmigen Fassade aus dezentem Weißgrau mit sehr fröhlichen, Akzenten und Farbtupfern. Wenn Sie dann aber durch den Haupteingang in die Schule treten, werden Sie wirklich staunen! Das hier hat mit den langen, öden Gängen von Schulen früherer Zeiten nichts mehr zu tun. Sie betreten einen Ort, an dem es sich wohlfühlen lässt. Auch für die harmonischen Farben in Räumen und Fluren gilt: nichts wurde von Fachleuten vorgesetzt, sondern es waren einige engagierte LehrerInnen, die das Farbkonzept entwickelten. Die Religionslehrerin Claudia Schwope sieht es als eine große Bereicherung, dass die Schule jetzt eine so freundliche Athmosphäre ausstrahlt. „Die hellen Farben schaffen eine helle Stimmmung.“  Sie betont, wie wichtig solch eine gute Athmosphäre für das Lernen ist. „Man braucht Ordnung, man braucht Sauberkeit und man braucht frische Farben, um gerne an einem Ort zu sein. Wir Lehrkräfte versuchen natürlich stets, eine freundliche Athmosphäre zu schaffen, aber wenn unsere Umgebung ebenfalls freundlich ist, fällt es uns allen sehr viel leichter.“

Vom Innen und Außen

Mittlerweile ist Bildungsstadtrat Gerhard Hanke ans Ende seiner kurzen Festrede gelangt und er spricht: „Es hat sich hier eine Menge getan. Nicht nur, dass das Bild der Lynar-Grundschule heute ein Schöneres ist. Auch im Innenleben hat es eine Explosion gegeben.“
Sie wundern sich, von welcher Explosionen er spricht? Nun... Jede Schule wird regelmäßig von Inspektoren heimgesucht und muss sich von denen auf Herz und Nieren prüfen lassen. Die Abschlußberichte sind gefürchtet, denn die Schulinspektoren decken gnadenlos die Mängel und Stärken im Mikrokosmos Schule auf. Manche Schulleitung soll über darüber schon gestolpert sein und ist dann abgesetzt worden. Und Christine Freund, Konrektor Bernd Hübl und das ganze Kollegium? Die schafften es nicht nur, drei Jahre lang mit 374 Kindern den Alltag auf einer Baustelle zu meistern, sondern bekamen dann auch noch von den Prüfern die Note „HERVORRAGEND“ in den gewählten Fächern Inklusion und Kooperation. Der Bericht ist auf der Homepage der Schule einsehbar. Hier eine kleine Kostprobe: vorbehaltloser Umgang mit Viefalt jeder Ausprägung, angenehme Lern- und Arbeitsathmosphäre, wertschätzender, Umgang mit den Kindern, hohes Engagement im Kollegium und der Schulleitung....  Was für eine wunderbare Schule diese Schule!

Susette Wahren