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Im Gedenken an den Neustädter Antifaschisten Erich Meier

Schnee bedeckt die Wege, Gräber und hohen, dunklen Tannen auf dem Spandauer Friedhof "In den Kisseln". Dort versammelte sich am 10. März 2013 trotz Schneetreiben und Kälte eine erstaunliche Anzahl Menschen, um gegen 14.00 Uhr den Antifaschisten Erich Meier zu ehren, der vor genau 80 Jahren von SA-Leuten in Spandau entführt, misshandelt und ermordet worden war. Grund war seine kritische Haltung gegenüber dem Nazi-Regime. Er wurde 23 Jahre alt.

Rote Nelken und Kränze

Seit dreizehn Jahren nun schon lädt das Spandauer Bündnis gegen Rechts zu der Gedenkveranstaltung für einen Menschen ein, der sich dem unmenschlichen Regime widersetzte. In diesem Jahr waren besonders viele dem Aufruf gefolgt, denn die Ermordung Erich Meiers jährte sich zum 80sten Male. Viele kannten sich aus der Bündnisarbeit gegen Rechts, aber auch Vertreter der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes waren gekommen. Waren die Gründe für das Erscheinen vielleicht unterschiedlich, trugen die meisten doch rote Nelken oder einen Kranz in den Händen. 

Beeindruckt...

Einen der Anwesenden kannten vermutlich alle: Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, der sich nun schon zum zweiten Mal in kurzer Zeit zur Gedenkstätte aufmachte. Gerade erst war er als Vertreter des Bezirksamtes dort gewesen, denn das Amt hatte eine eigene Veranstaltung beschlossen - am Bündnis vorbei. Dass Helmut Kleebank mit seinem Erscheinen zum Bündnis gegen Rechts stand, fanden viele beeindruckend.  

Erich Meier politisch aktiv

Anne L. Düren vom Bündnis gegen Rechts begrüßte die Anwesenden und entwarf in kurzen Worten ein anschauliches Bild vom jungen Menschen Meier, der andere begeistern konnte wie kaum ein anderer. Anschließend gab sie einen Eindruck seiner politischen Aktivitäten, indem sie verschiedene "Vorgänge" aus der polizeilichen Ermittlungsakte von 1931 -32 verlas: "Tragen der Spartakiade, Hetzreden gegen die NSDAP, Teilnahme an Demonstrationen, Singen von Liedern, Mitgliedschaft in linken und kommunistischen Gruppierungen" und viele ähnliche Vergehen.

Erich Meier auch heute noch Vorbild

Im Anschluss meldete sich der Vorsitzende der Berliner Jusos, Lukas Schulz zu Wort, der als Fluggerätemechaniker - ähnlich wie Meier früher - Auszubildender im Bereich Metallbau ist. Die Beschäftigung mit einem Menschen wie Erich Meier könne auch heute noch Orientierung und Hilfestellung sein, sagte Schulz. Anlässe, sich gegenüber rechtem Gedankengut zu verhalten, gäbe es genug - sei es, dass Kollegen laut Musik hören mit eindeutig rechtem und rassistischem Inhalt oder wenn Neonazis Anschläge auf SPD-Einrichtungen und Einrichtungen der Sozialistischen Jugend in Spandau und Neukölln verübten, wie aktuell in diesem Jahr geschehen.  

Sozialistische und Kommunistische Jugend

Markus Tervooren als Vertreter der mitveranstaltenden Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes konzentrierte sich auf den Wechsel in Erich Meiers jungen politischen Leben. Dieser war im Jahr 1931 von der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) zum Kommunistischen Jugendverband übergetreten, zusammen mit 21 Gleichgesinnten. Es heißt, Unstimmigkeiten mit den sozialdemokratischen Positionen zum Rüstungsbau - konkret die Zustimmung der Sozialdemokraten zum Bau von Panzerkreuzern - sei Grund für den Spandauer "Massenübertritt" gewesen. Das blieb berlinweit einzigartig und war eine echte Sensation. Markus Tervooren zitierte am Ende seiner Rede die Strophe eines Liedes, das der Grundhaltung Erich Meiers entsprach und dass er lauthals in der Straßenbahn gesungen haben soll: „Nie, nie wieder woll´n wir Waffen tragen, nie, nie wieder woll´n wir Krieg“.

Was bleibt

Ebenfalls bei der Ehrung anwesend war Willi Döbbelin, der Autor der Broschüre "Erich Meier und seine Zeit - 1927 bis 1933. Versuch der Würdigung eines Antifaschisten." Da auf Döbbelins sauberer Grundlagenforschung unser gesamtes heutiges Wissen zum Leben und Wirken Erich Meiers beruht, lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass der Geist des Autors in allen Reden - und auch in diesem Artikel - mit drin steckte. Vielen Dank jedenfalls für diese erstaunliche Schrift, und auch an das Bündnis gegen Rechts, dem die Veröffentlichung der Schrift zu verdanken ist. Im Spandauer Rathaus gab es in der Nachkriegszeit eine Tafel, auf der NS-Opfer aus den Jahren 1932 - 45 genannt sind, darunter auch Erich Meier. Anne L. Düren trat zum Abschluss der Gedenkstunde an Bürgermeister Kleebank heran und regte an, diese Tafel zu suchen und wieder anzubringen, als späte Ehrung von Erich Meier und den Opfern des Nazi-Regimes. 

Ausklang im Paul-Schneider-Haus

Nach der Gedenkveranstaltung machten sich viele der Anwesenden auf zum Paul-Schneider-Nachbarschaftshaus. Dort wurde ein wunderbares Chilli con Carne, schmackhafte Salate und heiße Getränke gereicht. Die Künstler Israfil Yildizkan, Bülent Telcanli und Özgür Bozkurt sprachen und sangen türkische Liebeslyrik und politische Texte, musikalisch begleitet von Gitarre und dem Kanun. Dieser angenehme Ausklang eines denkwürdigen Nachmittags wurde durch finanzielle Mittel aus dem Aktionsfonds des Quartiersmanagements ermöglicht.     

Weitere Impressionen

Susette Wahren