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Veranstaltungen und Termine

Veranstaltungen aus dem Quartiersmanagement

Willkommenskultur der Spandauer Neustadt am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Ein Lächeln, strahlende Kinder und ein schüchternes Danke auf Deutsch

Die Geschichte der Unterstützung Ehrenamtlicher aus der Neustadt am BAMF beginnt eher  zufällig, im August. Ein Nachbar von Quartiersrätin Martina Rüdiger machte sie aufmerksam, dass täglich viele Menschen im Askanierring „vor einer deutschen Behörde ohne Wetterschutz, Wasser und Nahrung auf ihren Termin im Amt warten müssen“. Seine Reaktion war einfach: Er kaufte Wasser und verteilte es an die Asylsuchenden. Auch Rüdiger wurde aktiv und fuhr mit Wasserflaschen und einer geschnittenen Melone zum BAMF. „Die Menschen stürmten auf mich zu, schnappten sich Wasser und die Obstpäckchen aus meinen Satteltaschen und nach zwei Minuten war ich regelrecht ausgeplündert!“

Organisierte Hilfsbereitschaft
Martina Rüdiger ist geschockt und postet mit Tränen in den Augen einen Hilferuf auf Facebook. Es gibt bereits eine Gruppe dort  und Rüdiger wird Administratorin von „Koordination Flüchtlinge am BAMF Spandau“, richtet eine Facebook-Seite ein und übernimmt eine Helfer- und Bedarfsliste von Freiwilligen am LaGeSo.  
Julia Grewe hat da schon einen Container vom BAMF organisiert, in dem die ersten Spenden deponiert und an die Asylsuchenden ausgegeben werden. Binnen kurzer Zeit gehen Spenden ein: Wasser, Lebensmittel, Obst, Spielsachen, Hygieneartikel und vor allem melden sich täglich neue ehrenamtliche Helfer vor Ort, die Zeit spenden. Bis heute sind täglich von 8 bis ca. 15 Uhr  ehrenamtliche Helfer am BAMF, die Toastbrote schmieren, Obst und Gemüse schneiden, Wasser, Süssigkeiten und Hygieneartikel verteilen, mit den wartenden Kindern spielen oder eine Decke, Regenjacke oder ein Paar Schuhe verteilen.

Situation der Container
Die Situation am Container hinter dem BAMF ist suboptimal: Es gibt zwar zwei Kühlschränke, aber kein Wasser oder angemessene Toiletten und viel zu wenig Stauraum für die Spenden. „Wir hantieren ein bisschen auf Camping-Niveau“, beschreibt Rüdiger die Lage. Auch wenn das BAMF relativ kooperativ war und die ehrenamtliche Arbeit unterstützte und willkommen hieß, die Sachzwänge sprechen gegen  eine Entkrampfung vor Ort: Die benachbarten Gebäude sind vermietet, die sanitären Anlagen zu wenig und zu schlecht gewartet,  es gibt Beschwerden von Anwohnern, obwohl die Helfer täglich den Müll verräumen, der zwangsläufig entsteht. Daran konnte der Besuch von Bundeskanzlerin Merkel nichts ändern und auch nicht die Initiativen des Bezirks.

Politische Aktivitäten im Bezik
Es gab und gibt Informationsveranstaltungen, der Senator für Gesundheit und Soziales, Mario Czaja, gab Auskunkt in der Joshua-Gemeinde,  GIZ e.V. hat mit Dilek Kirak eine Koordinatorin benannt, die die ehrenamtliche Hilfe bündeln soll, zahlreiche Organisationen, Vereine und Institutionen bieten nach ihren Kräften Hilfe und Unterstützung an.
„Das BAMF versucht weitere Büroräume zu akquirieren und aktuell hat ein Mieter eine Lagerhalle geräumt damit in der für die kalte Jahreszeit ein überdachter Wartebereich eingerichtet werden kann“. sagt Rüdiger. „Die Zukunft der Ehrenamtlichen am BAMF steht derweil noch in den Sternen.

Darf ich dich umarmen?

„Baashar lerne ich kennen, als ich Sandwiches verteile. Er bedankt sich auf Deutsch und ich frage ihn, wo er herkommt. Er ist aus Syrien, aber viel wichtiger ist ihm, auf Deutsch zu sagen: Danke Deutschland! Er kramt aus seiner Umhängetasche ein zerknittertes Schulheft heraus und zeigt es mir. „Ich lerne Deutsch auf You Tube, schau, schau her“. Die Seiten sind vollgeschrieben mit arabischen, englischen und deutschen Redewendungen, letztere in „arabische Lautschrift“ übersetzt. Es sind rührende  Sätze, mit denen er sich auf sein neues Leben vorbereitet hat: „Ich spreche ein bisschen deutsch, wie spät ist es?, können Sie mir bitte helfen?“ Dann singt er strahlend die Zahlen bis 20, so wie er es vom Video gelernt hat.  Und überrumpelt mich mit dem Satz: darf ich dich umarmen?  Klar!
Später sehe ich Baashar im Fernsehen: Er ist Journalist und  entrüstet sich in einem Interview über die arabischen Länder Katar und Suadi-Arabien. Auf Englisch.

Vernetzung der ehrenamtlichen Hilfe für Flüchtlinge im Bezirk Spandau

Integrationslotsin Dilek Kirak von G.I.Z. e.V. nimmt ehrenamtliche Hilfsangebote
entgegen und koordiniert die Hilfen mit Einrichtungen für Flüchtlinge.
Kontakt: Mo bis Fr von 9 Uhr bis 16 Uhr, Tel.: 030 - 513010051 , dilek.kirak[at]giz[.]berlin
Treffen: mittwochs, 17 Uhr, St. Nicolai Gemeinde, Reformationsplatz 8

Foto und Text: Bettina Gassmann