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Veranstaltungen und Termine

Freitag, 27. April 2018  15:00 Uhr

"Tag der offenen Tür" bei der Spandauer Jugend

Samstag, 28. April 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Montag, 30. April 2018  17:30 Uhr

Repair Café I

Samstag, 05. Mai 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Donnerstag, 10. Mai 2018  17:30 Uhr

Repair Café II

Samstag, 12. Mai 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Samstag, 19. Mai 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Samstag, 26. Mai 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Montag, 28. Mai 2018  17:30 Uhr

Repair Café I

Samstag, 02. Juni 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Samstag, 09. Juni 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Donnerstag, 14. Juni 2018  17:30 Uhr

Repair Café II

Spandaus Frauen - ein Rundgang zum Internationalen Frauentag

TeilnehmerInnen des Rundgangs - FOTO: Susette Wahren

"Da oben auf dem Dach klettert ein Mädchen!" ruft die Frauenforscherin Claudia von Gélieu laut aus. Vierzig Blicke folgen erschrocken ihrem ausgestreckten Zeigefinger zum Dachfirst der Volkshochschule am Reformationsplatz der Altstadt Spandau. Dort ist nichts auffälliges zu sehen. Und während noch irritierte Stimmen durcheinanderrufen: "Ja, wo denn?" und "Ich sehe nichts!", spricht die versierte Frauenforscherin Claudia von Gélieu ungerührt weiter: "So oder so ähnlich wird es geklungen haben, als sich Jenny Wiegmann vor mehr als einhundert Jahren in Spandau einen dicken Tadel wegen Klettern auf dem Dachfirst der´Höheren Töchterschule`einfing." 

Die Forscherin Claudia von Gélieu FOTO: Susette Wahren

Die Teilnehmer des Rundgangs durch die Geschichte der Spandauer Frauen erfahren, dass die muntere Jenny Wiegmann eine Tochter des beliebten Konditormeisters Wiegmann war. In dessen Bäckerei in der Breiten Straße 20 wurden vermutlich die berühmten "Spandower Zimtbrezeln" hergestellt, die Frauen seit dem 17. Jahrhundert körbeweise auf Markt und Straße feilboten.
So war das süße Gebäck für die frühere Spandauerin ein sicherer Broterwerb.
Später übernahm dann Hellmuth Fester den Wiegmannschen Traditionsbetrieb. Spandauer wissen natürlich, dass "Café Fester" inzwischen in Räumlichkeiten am Alten Markt konditort und... - heute noch die traditionellen Spandower Zimtbrezeln backt.

Was aber wurde aus Wiegmanns übermütiger Tochter? Jenny machte als Bildhauerin international Karriere, heiratete in zweiter Ehe den italienischen Antifaschisten und Maler Gabriele Mucchi, lebte und arbeitete in Mailand und Greifswald und...  gilt heute als eine der ganz großen Bildhauerinnen Deutschlands, neben Käthe Kollwitz. Jenny Wiegmann-Mucchi, eine waschechte Spandauerin, die es im Westen nie zu nennenswerter Anerkennung brachte. Nicht ungewöhnlich, dass man in der Breiten Straße 20 zwar den Namen ihres italienischen Ehemannes Gabriele Mucchi kennt, nicht aber den Namen seiner Frau, die doch aus Spandau kommt und die sich zumindest außerhalb Deutschlands als Künstlerin einen großen Namen machte.

Wer bitte war Frieda Arnheim, nach der immerhin eine Promenade am Ufer der Havel in der Spandauer Neustadt benannt ist? - Foto: Susette Wahren

Solche Geschichten auszugraben ist Aufgabe der Forscherin Claudia von Gélieu. Als sie sich im Jahr 2013 auf Anregung des Spandauer Frauenbeirats und des Frauenprojektes Eulalia Eigensinns in Spandauer Archive setzte, um die Geschichte der Frauen zu erforschen, erntete sie einiges an Erstaunen und leichten Spott: "Spandau ist eine Garnisionsstadt und hat Militärgeschichte! Was bitte wollen Sie da über die Geschichte von Frauen finden?"
Die Frauengeschichtsforscherin vertraute ihrer Erfahrung und fand in den Archiven die Puzzelteile aus Alltags- und Sozialgeschichte, nach denen sie suchte. Die rund vierzig TeilnehmerInnen der Spurensuche "Spannende Spandauerinnen", die sich anlässlich des Internationalen Frauentages ihrer Tour anschlossen, waren mitgerissen von dem, was sie in zwei kurzweiligen Stunden über die Spandauerin vom Mittelalter bis zur Gegenwart erfuhren. Spannend  und gut verständlich präsentierte Claudia von Gélieu  Alltagsgeschichten, Errungenschaften und Orte der Frauen Spandaus - von den Benedektinerinnen bis hin zum Frauenbeirat.

Spandauer Zimtbrezeln auch für Polizeibeamte - Foto: Susette Wahren

Zwischendrin gab es eine kleine kulinarische Pause. Claudia von Gélieu war die Original-Rezeptur der berühmten Spandauer Zimtbrezeln zugespielt worden, und die Frauen vom Beirat hatten diese in den Räumen Eulalia Eigensinns anlässlich des Internationalen Frauentages nachgebacken. Nun verteilten sie einige Körbe voller Backwerk an die TeilnehmerInnen des Rundgangs und an die Spandauer Bevölkerung.
Eine interessante Geschäftsidee nahm an diesem Nachmittag Gestalt an: Spandower Zimtbrezeln zukünftig am Roten Rathaus und an anderen Berliner Standorten zu verteilen, als Werbung für Spandau und als sicheren Broterwerb.
Außerdem - backen wir mal größere Brötchen - gehört eine Skulptur der Bildhauerin Jenny Wiegmann-Mucchi mitten auf den Spandauer Markt! Oder etwa nicht?

Wer diese spannende Tour verpasst hat, kann dies bis zum Sommer noch an zwei Terminen nachholen, nämlich am Dienstag, dem 13. Mai 2014 und am Mittwoch, dem 16. Juli 2014, jeweils um 18:00 Uhr.
Anmeldung unter Tel.: 625 16 51 oder unter frauentouren[at]t-online[.]de

Susette Wahren