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Veranstaltungen und Termine

Samstag, 21. Juli 2018

Sonnencon 2018

Samstag, 21. Juli 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Samstag, 21. Juli 2018  11:30 Uhr

Yoga für Jung und Alt

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Spielmobil im Koeltzepark

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Eulalia-Kiezcafé mit Boule

Mittwoch, 25. Juli 2018  18:30 Uhr

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Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Samstag, 28. Juli 2018  11:30 Uhr

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Eulalia-Kiezcafé mit Boule

Samstag, 04. August 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Roßschlächterei Bredel - ein Traditionsbetrieb mitten in der Spandauer Neustadt

Die Roßschachterei Bredel früher...

Das Gehöft der Roßschlächterei Bredel liegt in der Feldstraße 32: ein Familienunternehmen in vierter Generation und gleichzeitig die letzte Pferdemetzgerei in Berlin. Wie schön, dass sie ihren Sitz seit mehr als hundert Jahren in der Spandauer Neustadt hat. Ich gebe mir einen Ruck, öffne die Türe und betrete den kleinen Laden mit Pferdefleisch.
Ein appetitlicher Geruch von kräftiger Wurst und würziger Salami schlägt mir entgegen. Hinter der Theke steht Christa Peters, 72 Jahre alt - eine geborene Bredel. Ich staune über die traditionsreichen Kacheln des Raumes, die vielen appetitlichen Ringe von Würsten am Haken und über die reich mit dunkelrotem Fleisch und unterschiedlichen Wurstsorten gefüllte Theke.  
„Was darf es sein?“ fragt Frau Peters, die Tante des heutigen Inhabers Thorsten Bredel und lächelt freundlich. „Ich wollte vor allem mal Schauen was es hier so gibt“, antworte ich und setze schnuppernd nach. „Es riecht hier übrigens sehr gut!“
Dann betrachte ich in Ruhe die Auslage: Filet und Steak zum Kurzbraten, Schmorbraten und eine Menge unterschiedlichster Wurstsorten und Würste: in Ringen oder Stangen, zum Aufschneiden, lange und kurze, gebrüht oder gekocht.
„Lassen Sie sich nur Zeit“ ermunter mich Frau Peters. „Mittag ist erst in einer Stunde.“
Das Angebot erscheint mir sehr preiswert. 100 Gramm Schlackwurst oder Salami kosten 1,10 Euro, Pferdejagdwurst 77 Cent. Auch der warme Imbiß ist erschwinglich: eine Bockwurst oder Boulette gibt es das Stück für 0.90 Euro, eine Wiener kostet 1 Euro und eine Krakauer 1,10 Euro.

Pferdefleisch kontrovers

„Was könnten Sie mir denn fürs Abendessen empfehlen?“ frage ich.
„Besonders gerne wird im Moment Sauerbraten genommen,“ erläutert Frau Peters. „Ansonsten gehen im Winter Gulasch und Rouladen besonders gut.“
Die Auslage sieht appetitlich aus. Das Fleisch ist von dunklem, tiefen Rot. Trotzdem ist es mir nicht geheuer, Pferdebraten zu kaufen. Pferde sind nützliche Arbeitstiere, Spielgefährten und Freunde in der Freizeit. Der Umgang mit ihnen ist ein faszinierendes Erlebnis. So ein Wesen zu kochen und zu essen ist eigentlich unvorstellbar. Andererseit ist spätestens seit BSE und dem Pferdefleischskandal vom letzten Jahr in aller Munde, dass Pferdefleisch ein besonders mageres, eiweißreiches und cholesterinarmes Fleisch ist. Deshalb gilt es als besonders gesund. Das geschlachtete Tier kann nicht aus industrieller Tierhaltung kommen, so wie beim Huhn, Schwein oder Rind, da Pferde sich nicht mästen oder füs Schlachten züchten lassen. Warum also ist Pferdefleisch oft Tabu? Aus religiösen Gründen?
Die jüdischen Speisegesetze zum Beispiel verbieten den Verzehr von Pferdefleisch, da Pferde nicht zu den Wiederkäuern gehören und keine Paarhufer sind. Und auch bei Moslems steht Pferd nicht auf dem Speiseplan. Im Islam gelten Nutztiere, die zum Tragen von Lasten gehalten werden, als „unrein“. Allerdings ist halal verarbeitetes Pferdefleisch auch nicht ausdrücklich verboten, es gilt lediglich als makruh, als verpönt.  

Nur noch selten im Handel

Ich frage Frau Peters, wer ihre Kundschaft ist und wir kommen ins Gespräch. „Früher war Pferdefleisch ein richtiges Arme-Leute-Essen,“ berichtet sie aus ihrem langjährigen Erfahrungsschatz. „Im Krieg bekam man auf Fleischmarken die doppelte Ration an Pferdefleisch. Und nach dem Krieg wurde es eigentlich auch noch viel gegessen.“
Heute aber ist es eher still um Pferdefleisch geworden, der Skandal um Pferd statt Rind in der Lasagne war da schier belebend. Es existieren nur noch wenig Betriebe in Deutschland. Die Kunden kommen daher von weit her, aus allen Teilen Berlins und dem Umland. Laufkundschaft aus der Spandauer Neustadt kommt indessen nur selten herein. Und es sind nur noch wenige Restaurants in Berlin und in Brandeburg, die Pferdefleisch auf ihrer Speisekarte führen und von Bredel beliefert werden. „Eines davon liegt in der Siemensstadt. Und in manchen Restaurants wird es zu bestimmten Anlässen für die Stammkundschaft angeboten. Aber auf der Karte steht das dann nicht.“
Langsam werde ich richtig neugierig, selber Pferdefleisch zu probieren. „Drei Bouletten, ein Steak und bitte ein Stück Salami,“ entscheide ich jetzt beherzt.

Traditionsbetrieb seit 1896

Während Frau Peters das Fleisch einpackt, fällt mein Blick auf einen Zeitungsartikel an der Wand. Er ist 1996 zum 100jährigen Bestehen des Familienbetriebes erschienen und trägt den Titel „Spandauer Traditionsbetrieb in vierter Generation.“ Neugierig beginne ich zu lesen: „1896 gründete Bredels Ururgroßvater Reinhold die Roßschlächterei in Pankow. Vier Jahre später siedelte die Fleischerfamilie an die Havelstadt um. Von der Mittelstraße 1 zog Bredels Großvater 1917 dann noch einmal um. Auf dem Firmengelände an der Feldstraße, bis zu einem Bombenangriff 1944 mit einem Fachwerkhaus bebaut, wird noch heute in Berlins einziger Roßschlachterei Pferdefleisch verarbeitet. Der Fleischermeister hatte 1969 die Roßschlächterei von seinem Vater, der ebenfalls Alfred hieß, übernommen. 1995 arbeitet nun auch der 31jährige Sohn in vierter Generation im Familienbetrieb.“Der damals 31jährige Sohn Thorsten Bredel ist heute 48 Jahre alt und betritt nun ebenfalls den Laden. Nach dem Tod von Vater Alfred führt er den Traditionsbetrieb fort. Das Metzgerhandwerk hat er als junger Mann in Westdeutschland erlernt und sich dort auf Schwein und Rind spezialisiert. „Vater und Sohn - das klappt nicht immer gut,“ brummelt er. Ich frage, ob in den Nebengebäuden geschlachtet wird. „Geschlachtet wird hier gar nicht mehr“ korrigiert er. „Das Fleisch kommt aus Brandenburg. Bei uns wird es verarbeitet und die Wurst zubereitet.“

Hackbraten oder Wiegebraten

Vieles hat sich über die Jahre verändert. „Früher war die Produktion viel aufwendiger. Da gab es noch keine Maschinen,“ sagt Thorsten Bredel. Und seine Tante ergänzt: „Das gilt auch für den Laden. Früher haben wir alles untereinander geschrieben und dann zusammengerechnet. Heute macht das die Kasse - Und wir haben uns früher weniger gesorgt,“ setzt sie nach.
Worüber gesorgt? Thorsten Bredel holt tief Luft, bevor er sich über neue Vorschriften, penible Verordnungen und nicht nachvollziehbare EU-Normen auslässt, die einem kleinen, traditionellen Handwerkbetrieb den Garaus machen. „Seit wir in diesem Laden stehen, verkaufen wir Hackbraten,“ nennt er als Beispiel. „Nun dürfen wir es nach einer aktuellen Verordnung nicht mehr Hackbraten nennen, sondern als Wiegebraten ausschreiben. Kein Kunde weiß, was Wiegebraten ist! In unserem Laden haben wir es daher weiter Hackbraten genannt. Bis wir dafür eine Strafe von 400 erhielten, weil der Fettanteil im Hackbraten täglich beprobt wird. Eine solche Beprobung ist so teuer, dass wir uns das gar nicht regelmäßig leisten können. Die Industrie zahlt so etwas aus der Portokasse. Wir Kleinen gehen an solchen Regelungen kaputt.“   

Ich beschließe rasch, auch noch ein Pfund Hackbraten mitzunehmen. Frau Peters wiegt das Fleisch ab und reicht den Einkauf über die Theke. „Jetzt ist Mittagagspause. Um 15.00 Uhr öffnen wir wieder,“ verabschieden sich die beiden.

„Was gibt es bei Ihnen zu Mittag?“ frage ich im Gehen. „Auch Pferd?“ Es gibt Pferdesteak mit Bratkartoffeln, erfahre ich. „Wir essen unser Fleisch nämlich auch sehr gerne!“ Ich lache und freue mich auf meinen Hackbraten, auf Salami und Boulette vom Pferd.

Roßschlachterei Bredel, Feldstraße 32, 13585 Berlin
Öffnungszeiten:  Di - Do 8–13 Uhr und 15–18 Uhr, Fr 8–18 Uhr, Sa 8–13 Uhr

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Susette Wahren, Januar 2014