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Veranstaltungen und Termine

Samstag, 21. Juli 2018

Sonnencon 2018

Samstag, 21. Juli 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Samstag, 21. Juli 2018  11:30 Uhr

Yoga für Jung und Alt

Sonntag, 22. Juli 2018  14:30 Uhr

Spielmobil im Koeltzepark

Mittwoch, 25. Juli 2018  15:00 Uhr

Eulalia-Kiezcafé mit Boule

Mittwoch, 25. Juli 2018  18:30 Uhr

Konzert: Live – "AMOS, Rock der 70er und 80er Jahre"

Samstag, 28. Juli 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Samstag, 28. Juli 2018  11:30 Uhr

Yoga für Jung und Alt

Sonntag, 29. Juli 2018  14:30 Uhr

Spielmobil im Koeltzepark

Montag, 30. Juli 2018  17:30 Uhr

Repair Café I

Mittwoch, 01. August 2018  15:00 Uhr

Eulalia-Kiezcafé mit Boule

Samstag, 04. August 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Ausstellung in der Spandauer Bibliothek

"Auf den Spuren der Geschichte – gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen"

Es ist Ende Mai. Morgen wird in der Jugendbibliothek Spandau die Ausstellung des Neustädter Jugendprojektes Stark ohne Gewalt zum Thema "Auf den Spuren der Geschichte – gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen" eröffnet. Inhalt sind die unterschiedlichen Eindrücke einer Fahrt zur Gedenkstätte Auschwitz in Polen, die Stark ohne Gewalt Ende März mit einer Gruppe von sechzehn Jugendlichen und vier Ehrenamtlichen unternahm. Heute nun arbeitet ein großer Teil der mitfahrenden Jugendlichen unter Hochdruck an den letzten Vorbereitungen zur Ausstellung. Im dritten Stock der Spandauer Zentralbibliothek - Abteilung Kinder und Jugend - wird in der einen Ecke gehämmert und gezimmert, in der anderen Ecke balancieren junge Männer auf zwei sehr hohen Leitern, um nach einem erarbeiteten Konzept ausgewählte Fototafeln an der Decke zu befestigen. Hier arbeiten junge Frauen gerade konzentriert daran, mit geeignetem Werkzeug  blasenfrei die Kippfenster mit durchsichtigen Fotofolien zu beziehen - dort werden noch letzte Texte für die morgige Eröffnung geschrieben. Am benachbarten Tisch proben die Jugendlichen schon die Aufführung: "...Steh nicht so krumm!"

Die Fäden zusammenführen

In der Mitte steht sehr ruhig und freundlich der Sozialarbeiter Mahdi Saleh. Er lässt sich von dem  Trubel und den tausend Fragen, die auf ihn einprasseln, nicht aus der Ruhe bringen. Gerade trifft er letzte Absprachen mit der Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek, Frau Rein, die sich für eine Kooperation gerne bereit erklärte und die Ausstellung für die nächsten  fünf Wochen beherbergen wird. Wenig später sieht man ihn in einer anderen Gruppe Rückmeldung zum nächsten fertigen Texten geben, um direkt anschließend mit Anderen zu diskutieren, wo die nächsten 14 Fotos an der Decke zu platzieren sind.

Lichter setzen

Ihm zur Seite stehen die Künstler Sofia Camargo und Thomas Klasen, die auch das vorangegangene Projekt, die Lichtergalerie "Lichter des Respekts" künstlerisch mitbetreuten.Tatsächlich ist die Reise nach Auschwitz eine Folge davon. Bei der Ausgestaltung hatte sich eine große Anzahl Jugendlicher und Erwachsener über mehrere Wochen künstlerisch intensiv mit einem respektvollen Umgang untereinander beschäftigt. An die Galerie aus zweihundert Lichtkörpern erinnern sich wahrscheinlich Viele - denn sie erleuchtete im vergangenen Winter den Koeltzepark, verwandelte ihn nachts in einen freundlichen und begehbaren Ort und setzte ein gut sichtbares Zeichen gegen Gewalt im öffentlichen Raum. "Die Würde des Menschen" wurde für die beteiligten Jugendlichen plötzlich sehr konkret und vorstellbar.

Die Würde des Menschen

Dass aus diesen ersten Ansätzen schließlich eine Reise in das Todeslager Auschwitz wurde, ist einigen Jugendlichen zu verdanken und ihrem besonderen Interesse an den Themen „Die Würde des Menschen“ und „Respekt vor menschlichem Leben“. Die wenigsten Teilnehmer der Gedenkfahrt sprechen Deutsch als Muttersprache. Sie haben zumeist einen Migrationshintergrund und sprechen zu Hause eher arabisch, türkisch, persisch, serbisch, italienisch, rumänisch und französisch als deutsch.

Warum nach Auschwitz?

Madiou zum Beispiel ist vor drei Jahren aus Guinea in Westafrika nach Spandau gekommen. Sein Deutsch ist schon so gut, dass er vermutlich ohne weitere Probleme den Mittleren Schulabschluss schafft. Für ihn ist das, was er im deutschen Geschichtsunterricht  über die Vernichtungslager lernte, kaum zu fassen. "Ich wollte das selber sehen, um es zu verstehen" nennt er als Grund für sein Interesse. Andere sagen: "Das gehört zu Deutschland dazu und ich lebe jetzt in Deutschland."

Kooperationen

Dass die Unternehmung umgesetzt werden konnte, verdankt "Stark ohne Gewalt" einer Kooperation mit Burkhard Zimmermann vom Kinderring Berlin e.V. und der finanziellen Unterstützung vom Rotary-Club Alexanderplatz. Damit war eine Basis geschaffen, die Gedenkfahrt vorzubereiten.  Im Vorfeld unterstützte außerdem das Berliner Projekt "Gesicht zeigen!" mit themenspezifischen Workshops und pädagogischer Betreuung.

...ein Ort großerTraurigkeit

Trotz bester Vorbereitung ist niemand auf das eingestellt, was einem angesichts des Massenmords und der Unmenschlichkeit von Auschwitz an Schmerz und  Leid, Entsetzen und Hilflosigkeit trifft. Einige Jugendlichen beschreiben, dass sie sehr schweigsam wurden, als sie erstmals auf dem Gelände standen. Leonie berichtet: "Für mich war es sehr beeindruckend, am Eingang zu stehen, wo auch die Schienen ins Lager führen. Dort konnte ich zum ersten Mal das riesige Gelände und die vielen Baracken sehen. Du guckst über den Platz und Du siehst einfach kein Ende. Es ist riesig. Auch wenn man Bilder davon kennt: diese Größe kann sich keiner wirklich vorstellen." Und wenig später ergänzt sie: "Der Ort hat solch eine Traurigkeit! Alles ist still. Kein Leben. Kaum einer redet." Ihre Freundin Anna erzählt, dass sie angesichts der vielen Portraits von Häftlingen in einem Flur schier überwältigt wurde: "Fotos von Kindern, Frauen und Männern: ich stellte mir vor, meine Mutter und Schwester würden verprügelt und gequält. Das war schlimm!"

...was vom Menschen übrig bleibt

Bei allen hinterlässt die Sammlung menschlicher Haare den tiefsten Eindruck. Der Haufen lagert 20 m lang, 2 m hoch und 5 m tief hinter einer Glaswand. Auch ein Haufen von 80000 Schuhen, vielen tausend Brillen und Zahnprothesen der Ermordeten hinterlässt Verstörung.  Der Besuch von Auschwitz ist nun schon zwei Monate her, wirkt bei den Jugendlichen jedoch lange nach. Das Erlebnis gemeinsam mit anderen zu reflektieren und zu besprechen, die unfassbaren Eindrücke zu verarbeiten war Ziel der Ausstellung, die jetzt in den Räumen der Bibliothek eröffnet.

Ausstellungskonzept

In ihrer Ausstellung  gaben die Jugendlichen dem Erlebten eine Form. Etwa 60 Fotos sind an der Decke des Lesesaales im 3. Stock angebracht, sie werden dort gehalten von Maschendrahtzaun und Stacheldraht. Im Zentrum der Anordnung steht ein Foto vom Tor zum Vernichtungslager - noch ist es geschlossen. Daran schließt sich ein Bilderring der erschütternden Eindrücke und Anblicke an: Frauenhaar, Schuhe, Öfen, Gaskammer. Im äußeren Bilderrand sind Portraits der Jugendlichen selber zu sehen, forografiert in Momenten tiefer Verstörung: ratlos, traurig, in sich gekehrt. Die Folien an den Fenstern schließlich enthalten Blicke auf die Weite des  Geländes. In einer Ecke wurde hinter schwarzer Gaze eine Kammer aus Lichtkörpern  gestaltet. Ein Audiotape wiederholt darin in Endlosschleife Interviews der Jugendlichen mit Zeitzeugen. 

Die Ausstellungseröffnung am 29. Mai 2013 war ein voller Erfolg. Alle Spuren der Vorbereitungen konnten pünktlich beseitigt werden und der Saal war sehr gut besucht. Der Festakt selbst dauerte eine gute Stunde. Am meisten beeindruckte wohl, wie sehr diese Jugendlichen bei der Sache waren und wie gründlich sie an ihrer Haltung gegenüber ihrer Umgebung und an ihrem Stand in der Welt arbeiten.Die Anwesenden waren ehrlich beeindruckt, was hier in den vergangenen Wochen grundlegendes von allen Beteiligten geleistet wurde.

Ich war schon im Gehen, da traf ich nochmal auf Saher. Der junge Mann kommt aus dem Irak, ist 17 Jahre alt und lebt erst seit drei Jahren in Deutschland. Er überreichte mir ein Gedicht und bat mich, es abzudrucken: "Ich konnte es vorhin nicht so gut sprechen wie ich es wollte." entschuldigt er sich. Es war ein wunderbares Gedicht gewesen und sein eindringlicher  Vortrag war sehr gut verständlich.

Das Gedicht endet mit den Worten:
Hört mir gut zu:
Alle Menschen sind wie ich und Du!
Niemand nimmt das Recht auf Leben,
Niemand nimmt das Recht auf Leben.
Niemand,
Niemand!

Saher Blasini

Susette Wahren