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Hereinspaziert

Georg Lichtfuß und das Tor zur Neustadt

Lichtfuß-Haus am Einagang der Spandauer Neustadt FOTO: Susette Wahren

Wissen Sie, wo das Tor zur Spandauer Neustadt ist? Es liegt an der stark befahrenen Ecke Schönwalder-Neuendorfer Straße. Kennen Sie alle!  Dort an der Ecke befindet sich der Trödelladen mit Möbeln, Geschirr und anderer Auslage - und rechts daneben, etwas zurückgesetzt, liegt der Waschsalon mit den dschungelartigen Grünpflanzen im Fenster. Diese Ecke wurde früher als das Tor zur Spandauer Neustadt bezeichnet.  
Haben Sie sich das Eckgebäude mit dem Trödelladen einmal genauer angeschaut? Sieht auf den ersten Blick scheußlich aus: grau und heruntergekommen, an der Fassade wurde seit den 50ger Jahren vermutlich nichts mehr gemacht. Man ahnt förmlich die Energiekosten und den Verkehrslärm in den Wohnungen des 5-stöckigen Hauses. Wenn Sie sich jedoch die Zeit nehmen und dort einmal in Ruhe hinschauen, werden Sie  bemerken, dass dieses Eckhaus aus dem Jahr 1957 - Wiederaufbauprogramm West -eigentlich total pfiffig gebaut ist. Sehen Sie nur den luftigen Dachaufsatz auf dem angeschrägten Gebäude! Das entspricht so gar nicht den üblichen, nüchternen Wohnblocks der 50er Jahre. Und ist es auch nicht.

Das hier ist ein Gebäude von dem Architekten Georg Lichtfuß, der anderthalb Jahre zuvor schon das Paul-Schneider-Haus in der Schönwalder Straße 23 baute sowie das Gebäude Schönwalder Straße 27, Ecke Neumeisterstraße, da, wo sich früher die Post befand. Wie frisch und luftig die alte Post - heute SPAX - nach einem frischen Anstrich plötzlich aussieht, werden Sie sicher bemerkt haben. Der Architekt Lichtfuß hat in der Schönwalder Straße 1, dem Tor zur Neustadt jedenfalls aufgegriffen, was bis zu der Zerstörung im Jahr 1945 hier noch vorzufinden war: viele, kleine Ladengeschäfte, einiges an Gastronomie und ein reges Gewimmel von Passanten.  Lichtfuß zog mit seinem Eckgebäude einen Trakt etwas nach vorne, stellte ihn auf originelle Pfeiler, die sich stelzenartig nach unten verjüngen und gestaltete so eine Passage. Auch gliederte er das Gebäude durch Balkone mit großflächigen Fenstertüren. So ist auch ein halbes Jahrhundert später die Gestaltung des Wohnhauses zeitlos, modern und originell.  

Conrads und Walhalla

Neben diesem Haus lagen noch zur Jahrhundertwende im Erdgeschoss der Schönwalder Straße 2 die beliebten „Condrads-Festsäle“.  Später zog dort das Kino Walhalla ein und sorgte ebenfalls für Amüsement und Unterhaltung. 

Bismarckplatz

So lange ist es übrigens noch gar nicht her, dass sich dieser Teil Spandaus als Wohngegend entwickelte: etwa 130 Jahre.  Um 1880 entstand hier - nördlich der Altstadt - zunächst eine Anzahl von Straßen und Plätzen, darunter auch der „Bürgerbauplatz“mit mondänen Altbauten. Man begann, diesen Platz mit Grünanlagen zu verschönern und bald ein Denkmal für Reichskanzler Otto von Bismarck zu errichten. 1901 erhielt der Bürgerbauplatz dann den offiziellen Namen Bismarckplatz. So verkehrslaut, wie die Ecke heute ist, läßt es sich nur schwer erahnen, dass es hier einmal sehr hübsch gewesen sein muss. 

Glückspilz

Gegenüber vom Lichtfuß-Haus ließ die Versicherung „Deutscher Herold“  im  Jahr 1957 das Eckhaus Feldstraße 56, Neuendorfer Straße 99 neu bauen. Dieses ist durch Zurücksetzungen zergliedert, wobei ein durchgehendes Betonband die vier Ladengeschäfte um die Ecke miteinander verbindet. Heute finden Sie dort eine Apotheke, mehrere Ärzte sowie einen sehr hübschen Second-Hand-Laden mit ausgewählter, hochwertiger Mode für  Mutter, Vater und Kind. Die Inhaberin Katharina kommt aus Hamburg und betreibt seit etwa drei Monaten den Laden mit dem  vielversprechenden Namen „Glückspilz“. Selber Mutter zweier Kinder weiß sie, was in jungen Familien gefragt und gebraucht ist. In ihrem geschmackvoll eingerichteten Laden bietet sie gut erhaltene, trendige Ware zu kleinen Preisen. Hier fühlen sich nicht nur die Eltern wohl, und wann immer Sie nachmittags das Geschäft in der Feldstraße 56  betreten: es ist was los, ob für groß oder klein! 

Bismacksäle

Wenn Sie einige Hauseingänge weitergehen, gelangen Sie zur Feldstraße 52. Dort lag früher das sehr bekannte und renommierte Speiselokal vom Betreiber  A. Koch. Es hatte einen kleinen Vorgarten zum Bismarckplatz und war ein lauschiges Plätzchen nicht nur an Wochenenden und Feierabenden. Neben dem Lokal führte ein Durchgang zu den Bismarcksälen, einem großen Saalbau im Hof des Wohnblocks. Er galt als einer der größten Fest- und Versammlungsorte Spandaus. An manchen Stellen heißt es, in den Bismarcksälen habe 1926 die Berliner NSDAP ihre erste Versammlung mit Goebbels als Gauleiter abgehalten. Woanders ist zu lesen, dies sei in den „Seitz-Festsälen“ Neuendorfer Straße, Ecke Schützenstraße gewesen. Jedenfalls wurde dort der Plan der NSPAP proklamiert, von Spandau aus Berlin zu erobern. 

Bomben im März 1945

Keine 20 Jahre später lag die Schönwalder Straße in Schutt und Asche; nach einem schweren Bombenangriff am 28. März 1945 glich das Tor zur Neustadt einem Trümmerfeld. Ein großer Teil der Gebäude war zerstört, schwer beschädigt oder nicht mehr bewohnbar, der übrig gebliebene Wohnraum dramatisch überbelegt. Kein Zweifel: Die Wohnungsfrage war eine der dringendsten Aufgaben der Nachkriegszeit, auch am Bismarckplatz. 

Antifaschistischer Rundgang

Heute steht hier kaum noch ein Altbau. Aber die Keller der Bismarcksäle sind noch erhalten, erfahren die TeilnehmerInnen eines Antifaschistischen Stadtrundgangs, der von engagierten Bürgern und der JugendGeschichtsWerkstatt recherchiert und zusammengetragen wurde. In diesem kalten Frühjahr 2013  leitet Ali Markgraf  vom Projekt Treffpunkt Regenbogen den Rundgang. Mit von der Partie ist ein älterer Herr, der bis zu seinem zwölften Lebensjahr in der Schönwalder Straße wohnte, das Ende des Krieges jedoch zur Kinderlandverschickung in Bayern war. „Meine Mutter war hier, als die Schönwalder Straße bombardiert wurde“ erzählt er. „Sie hat später immer erzählt, dass vor dem Bombenangriff im März 1945 Flugblätter abgeworfen wurden. Darin wurde die geplante Zerstörung angekündigt. Die Bevölkerung in der Neustadt war also gewarnt. Ich frage mich heute noch oft, ob das überhaupt sein kann?! Wer bitte hätte die Bevölkerung warnen sollen...?“  

Fragen

Ein gut gemachter Rundgang  wirft bestenfalls genauso viele neue Fragen auf, wie er beantwortet. Dieser Antifaschistische Stadtrundgang führt an viele Orte und Stationen in der Spandauer Neustadt, an denen Jüdisches Leben, Verfolgung, Kommunistisches Engagement und aktiver Widerstand nachvollziehbar werden. Es lohnt sich, einmal daran teilzunehmenRaten Sie mal, wer der Architekt war, der 1955 auf dem Gelände der zerstörten Bismarcksäle und über den erhaltenen Kelleranlagen eine neue, moderne Wohnanlage entwarf? Richtig. Da isser wieder: Georg Lichtfuß.

Susette Wahren