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Veranstaltungen und Termine

Mittwoch, 21. November 2018  18:30 Uhr

Märchenhafter Mittwoch

Samstag, 24. November 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Samstag, 24. November 2018  14:00 Uhr

Familien-Kreativsamstag an der Kletterwand

Montag, 26. November 2018  17:30 Uhr

Repair Café I

Mittwoch, 28. November 2018  18:30 Uhr

Märchenhafter Mittwoch

Samstag, 01. Dezember 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Samstag, 01. Dezember 2018  14:30 Uhr

Kletterwand - offenes Angebot

Mittwoch, 05. Dezember 2018  18:30 Uhr

Märchenhafter Mittwoch

Freitag, 07. Dezember 2018  17:00 Uhr

Spieletreff

Samstag, 08. Dezember 2018  10:00 Uhr

Qi-Gong-Yoga für ältere Erwachsene

Dienstag, 11. Dezember 2018  10:00 Uhr

Lingulino-Kindertheater

Dienstag, 11. Dezember 2018  17:30 Uhr

Workshop: Ehrenamt – was ist das?

Herberge zur Heimat - nicht nur für Tippelbrüder und Landstreicher

Vortasten in den anderen Teil der Neustadt
Eine unsichtbare Grenze läuft quer durch die Spandauer Neustadt: die Schönwalder Straße. Jenseits der Schönwalder Straße - Hügelschanze, Falkenhagener Straße, Flankenschanze etwa - scheinen schon am Nachmittag die Bürgersteige hochzuklappen.
Mir fällt trotzdem ein guter Grund ein, die Grenze zu übertreten. Gehen Sie einmal an einem beliebigen Mittwoch, nachmittags gegen 15.00 Uhr, durch die Falkenhagener Straße. Spätestens bei Hausnummer 28/Ecke Ackerstraße riecht es so dermaßen köstlich nach frischgebackenem Kuchen, dass Sie einfach stehenbleiben MÜSSEN.
Und genau dort wollte ich Sie hinlocken! Jetzt stehen Sie nämlich vor dem gemütlichen Kunst- und Kulturcafé hazetha, das Sonntag bis Freitag jeden Nachmittag für zwei Stunden öffnet. Nur mittwochs gibt es den leckeren, frischgebackenen Kuchen. Ansonsten werden nicht-alkoholische Getränke zu günstigen Konditionen (empfohlene Spende für eine Tasse Kaffee 40 Cent) ausgeschenkt. Eine warme, liebevolle Atmosphäre und eine herzliche Begrüßung durch das ehrenamtliche Personal sind inklusive.
      
Die Herberge zur Heimat
Das Café „hazetha“ ist eine der vier Einrichtungen der „Herberge zur Heimat e.V.“  Hier treffen sich außerhalb des Café-Betriebes verschiedene Freizeit- und Kulturgruppen. Einmal im Monat versammeln sich Bewohner aus den Betreuten Wohngruppen im Hause und aus der Nachbarschaft, um gemeinsam zu brunchen. Außerdem trifft sich hier eine Malgruppe,  eine Töpfergruppe und regelmäßig werden Dart-, Schach- und Skatturniere ausgetragen. Manchmal gibt es am Wochenende  zusätzlich Yoga.
„Wie kommt es zu dem Namen hazetha?“, frage ich die Sozialtherapeutin Kerstin Makowski, die seit mehr als zwanzig Jahren Fachbereichsleiterin der Betreuten Wohngruppen ist und seit 1997 Leiterin des alkohol- und drogenfreien Cafés. „Das ist einfach eine ausgeschriebene Abkürzung,“ erklärt die.  „Herberge zur Heimat ist abgekürzt H z H  und lautlich ausgeschrieben: ha zet ha.“ 

Entstehung
Mitte des 19. Jahrhunderts entstand im industrialisierenden Deutschland ein ganz neues Problem: eine zunehmende Anzahl sozial entwurzelter Menschen - Landstreicher und Wandergesellen hießen sie damals - bevölkerten die Städte. Sie gingen betteln und hausieren, hatten keine feste Bleibe und setzten das erbettelte Geld meist sofort in Alkohol um. Das wurde auch in Spandau zu einem Problem. 1876 wurde in Spandau eine „Herberge zur Heimat“ durch den Magistrat und die Luthergemeinde gegründet. Das Anliegen der Herberge war, Menschen ohne Bleibe für kurze Zeit eine günstige Unterkunft unter christlicher Hausordnung zu bieten. Mit Hilfe von Spenden konnte in der Falkenhagener Straße 6  bald ein eigenes Haus gekauft werden. Die 60 Betten dort waren fast immer voll belegt.
143 Jahre später sind es in Spandau 210 Betten in drei Häusern, die in der  Trägerschaft des Vereines  „Herberge zur Heimat e.V.“ liegen.

Übergangswohnheim
Das größte Haus mit 110 Betten ist das Übergangswohnheim in der Falkenseer Chaussee 154. Hier werden obdachlose Menschen, die ganz unten angekommen sind, mit dem Nötigsten versorgt.  Oft genug geht es hier um die nackte Existenz.  Immerhin erhalten Bewohner ein Einzelzimmer, gibt es pflegerische Hilfe und Unterstützung beim Ausfüllen von Papieren. Frische Wäsche und Essen von der Berliner Tafel gehören ebenfalls zum Basis-Angebot dazu.  Im Winter bietet das Haus Notunterkünfte, so dass niemand draußen in der Kälte erfrieren muss.

Vollstationäres Wohnheim
Vergleichsweise gute Chancen bietet sich den Bewohnern des vollstationären Wohnheims für psychisch- und körperbehinderte Menschen.  Hier in der Falkenhagener Straße 6 sind 38 Bewohner untergebracht. Die Bewohner werden verpflegt mit den Dingen des täglichen Bedarfs . Verschiedene tagesstrukturierende Angebote helfen bei der Stabilisierung der Lebensverhältnisse. Obgleich Alkohol ein wichtiges Thema bleibt, nutzen viele Bewohner die Möglichkeit, sich in verschiedenen Gruppen zu organsieren. Es gibt eine Kochgruppe, Back-, Kunst-, Sport- und Arbeitsgruppen im Hause.

Betreute Wohngemeinschaften
In der Falkenhagener Straße 28 nun befinden sich die betreuten Wohngemeinschaften für Menschen, die volljährig sind und sich in ihren schwierigen Lebenssituation ernsthaft verändern wollen. Hier werden sie sozialpädagogisch betreut.  Die Zahlen sprechen für sich:  in den fünf Wohngruppen leben siebzehn Bewohner - davon im Moment zwei Bewohnerinnen. Alle sind trocken und drogenfrei, alle gehen einem geregelten Tagesablauf nach.
„Es arbeiten bei uns fast alle. Nur die, die gerade frisch gelandet sind und sich erst mal neu sortieren müssen, sind noch nicht in Arbeit,“ sagt die Sozialtherapeutin.

In Arbeit kommen

Mir kommt das so unwahrscheinlich vor, dass ich rückfrage, ob ich mich verhört habe: „FAST ALLE? Wie soll das denn gehen! Dann sind ja hier in den Wohngruppen weniger Menschen arbeitslos, als im Durchschnitt der Bevölkerung!?“
Und ich erfahre das Geheimnis: „Wir treten dem JobCenter so dermaßen auf die Füße! Unsere Bewohner müssen nämlich ganz dringend arbeiten. Trockene Alkoholiker erleben einen riesigen Schub an Energie... wenn die das nicht gleich sinnvoll einsetzen, drehen die durch! Wir klären anfangs mit jedem Bewohner, in welche Richtung es arbeitsmäßig gehen kann. Und von da an lassen wir beim JobCenter nicht mehr locker!“
Ich bin ehrlich beeindruckt. Konsequent wäre es, jetzt nach der Rückfallquote zu fragen: „Die Bewohner bleiben im Durchschnitt  anderthalb Jahre. Danach suchen sie sich meist eine eigene Wohnung. Mit einigen hält sich ein sporadischer Kontakt, mit anderen telefonieren wir Jahre später noch jede Woche. Manche rufen erst viel später wieder an und bitten, dass wir sie im Krankenhaus oder im Knast besuchen kommen.“ 

Kunst im CaféVollstationäres Wohnheim
Heute ist Freitag vormittags und es geht im Café hazetha zu wie im Taubenschlag. Töpfergruppe im Keller, Malgruppe im hinteren Raum, Dartgruppe im Café. Der Geschäftsführer des Vereins Marco Berfels stellt sich im Vorbeiflug kurz vor. Im Hof wird gebaut und er fasst mit an.
Ich bin heute in die Malgruppe eingeladen. Hier riecht es nach Ölfarbe und Acryl, alles ist herrlich bunt. Seit fünf Jahren trifft sich die Malgruppe unter der Leitung von Kerstin Makowski, die auch Kunst- und Kreativtherapeutin ist. Einige der TeilnehmerInnen kommen aus der Nachbarschaft und engagieren sich im Hause ehrenamtlich. Franca Cottignoli etwa: sie ist gestandene Künstlerin mit Ausstellungserfahrung in Italien. Jetzt hilft sie regelmäßig im Café und bringt sich einmal die Woche in der Malgruppe ein.
Demnächst veranstaltet diese Gruppe eine Gemeinschaftsausstellung mit Brunch. Die Vernissage findet am Samstag, dem 13. Oktober, um 12:00 Uhr in der Falkenhagener Str. 28 statt und alle sind herzlich eingeladen. Kommen doch auch Sie vorbei und staunen Sie, wie abwechslungsreich und lebendig die Werke dieser kleinen, heterogenen und sympathische Gruppe sind.
„Das liegt an unserer tollen Leiterin,“ sa-  gen alle und deuten mit ihren farbenfrohen Pinseln auf die Kunsttherapeutin. „Quatsch,“ entgegnet diese. „Das liegt schon an Euch selber!“
Man ahnt, es liegt vor allem daran, dass sich hier alle sehr mögen und schätzen: Franca Cottignoli, Michael Harbort, Doris Kochan, Kerstin Makowski, Andreas Schlegel und Michael Schollmeyer. Eine tolle Truppe!

Auf den Internet-Seiten des Vereins lese ich den Satz: „Heute wie damals macht sich die Herberge zur Heimat stark für Menschen, die - aus welchem Grund auch immer - in unserer Gesellschaft nicht zurechtkommen. Sie haben meist eines gemeinsam: es sind sozial entwurzelte Menschen, die ohne langfristige Betreuung nicht in der Lage sind, ein eigenständiges Leben zu führen.“ 
Eine bemerkenswerte und nützliche Arbeit, die die Herberge zur Heimat auf der anderen Seite der Schönwalder Straße leistet - mit viel Liebe und sehr viel Herz.  SW

Vernissage und Brunch: 13. Oktober, 12:00 Uhr im hazetha, Falkenhagener Straße 28.
Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag von 15.00 - 17.00 Uhr,  Freitag von 16:00-18.00 Uhr. Kontakt:  K. Makowski, Telefon 355 91 415

Susette Wahren